Wir sind die DDB: Stiftung Kraftwerk Hirschfelde

Das Historische Betriebsarchiv Kraftwerk Hirschfelde ist eine vergleichsweise junge Einrichtung. Mitte der 1990er Jahre, nach der Stilllegung des Kraftwerkes, gründeten ehemalige Mitarbeiter einen Verein, der sich die Erhaltung der museumsreifen Anlagen und historischen Hinterlassenschaften zur Aufgabe machte. Dazu gehörten auch umfangreiche Bestände an technischen Unterlagen, Konstruktionsplänen, Rissen aber auch Fotos und Schriftakten. Diese wurden vor der Vernichtung als Altpapier bewahrt und im Laufe von 20 Jahren neu geordnet und verzeichnet. 

"80. Jahrestag KW-Hi" (13.04.1991), Fotograf: Bernd Schnabel, Stiftung Kraftwerk Hirschfelde (CC BY-SA 4.0 International)

Während in der Betriebszeit des Kraftwerkes eine Registratur bestand und die Dokumente im Kraftwerksalltag benötigt wurden, so wurde nun ein Archiv geformt, mit dem Anspruch, der interessierten Öffentlichkeit die gesammelten Informationen zur Verfügung zu stellen. Dazu gab das Landesdigitalisierungsprogramm für Wissenschaft und Kultur (kurz LDP), das der Freistaat Sachsen 2015 auflegte und seither mehrfach verlängerte, den nötigen Schub: Die praxisgerechte Erzeugung von Metadaten und die Verschlagwortung von Plänen und Fotografien gewann Priorität und führte letztendlich zu einer Professionalisierung des Archivs. Verwalter des Archivs ist die Stiftung Kraftwerk Hirschfelde, die ihrerseits vom Energieerzeuger LEAG, vormals Vattenfall, und Eigentümer des Archivs, dem Landkreis Görlitz und der Stadt Zittau getragen wird. 

Der Bestand des Historischen Betriebsarchivs Kraftwerk Hirschfelde wird von drei Archivaliengruppen gebildet: Es gibt die einzeln verzeichneten Pläne, etwa 4000, die alle digitalisiert sind. Weiterhin gibt es 630 Schriftakten, die aber auch Pläne enthalten und die nicht digitalisiert sind. Und schließlich gibt es die Gruppe der Fotografien, die ihrerseits in Negative, Positive, Alben und die Bildkartei des einstigen Kraftwerksbetreibers ASW (Aktiengesellschaft Sächsische Werke) gegliedert ist. Aus dieser Gruppe gibt es rund 7000 Digitalisate. 

"Zeichnungs- u. Materialschrank für das techn. Büro", Stiftung Kraftwerk Hirschfelde (CC BY-SA 4.0 International)

Zur Bestandsgruppe der Pläne gehören technische Zeichnungen von Geräten, Maschinen, und Dampfkesseln, Baupläne und Ansichten von Gebäuden, Feuerungsanlagen oder Gleis- und Rohranlagen, elektrische Schalt- und Netzpläne, Entwurfszeichnungen für das Mobiliar der Verwaltungsräume und vor allem Lagepläne verschiedenen Maßstabs, die die Entwicklung des Kraftwerks und des mit ihm verbundenen Braunkohlenwerks nachvollziehbar werden lassen. Deren Digitalisierung ist nicht nur eine Maßnahme zum Schutz der Originale, sondern sie ermöglicht in einigen Fällen erst eine sinnvolle Handhabung: Das größte zusammengehörige Lageplanwerk hat eine Größe von 3 x 4 Metern verteilt auf 8 gerollt gelagerte Einzelpläne. Geplant ist die Georeferenzierung der Lagepläne, eine Voraussetzung für die korrekte Benennung von Gebäuden und Anlagen, die im Laufe der 81jährigen Betriebsgeschichte vielfach Veränderungen erfuhren.

"Lageplan [Brikettfabrik]", Stiftung Kraftwerk Hirschfelde (CC BY-SA 4.0 International)

Die Fotografien sind die schwieriger zu handhabende Bestandsgruppe, weil, außer der schon erwähnten Bildkartei, eine große Zahl von ihnen zwar aus einem gegebenen Anlass hergestellt wurden, dieser Anlass aber kaum dokumentiert wurde. Die Einordnung vieler Fotografien, insbesondere der Negative, und deren Interpretation wird durch die Digitalisierung erst möglich.

Die Stiftung Kraftwerk Hirschfelde verwaltet und erschließt auch die vom Kraftwerk Hagenwerder erhaltenen Unterlagen und trägt damit auch weiterhin zur Bewahrung des Erbes der Energiewirtschaft in der Lausitz bei.

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